Hoch hinaus und in den Links-Verkehr [Neuseeland 1.5]

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Tag 2 in Auckland. Unser erstes Ziel war heute der Sky Tower, ein Fernmeldeturm. Denn dort gibt es nicht nur zwei Besucher-Plattformen, von denen aus man über die Stadt blicken kann, es gibt auch noch den SkyWalk und den SkyJump.

Was ist das? Auf einer Höhe von 192 Metern ist am Rande des Fernsehturms ein schmaler Ring angebracht, ähnlich wie die Ringe um den Saturn. Der Ring ist im Freien, er hat kein Geländer, es ist einfach nur ein ca 1m schmales Gitter. Und da kann man drauf herum laufen oder herunterspringen.

Mein Bungee Jumping-Plan

Ich hatte vorher beschlossen, in Neuseeland Bungee Jumping zu machen. Denn hier wurde es mehr oder weniger erfunden. Ein großes Vorhaben, da ich mich normalerweise schon nicht traue, im Schwimmbad vom 3-Meter-Brett zu springen. Aber egal.
Hier vom Turm runter springen wollte ich aber nicht. Es musste schon irgendwas in der Natur sein, vielleicht mit Wasser drunter. Außerdem war dies hier kein Bungee-Sprung, da es kein Gummiseil war, sondern man „nur“ mit etwa 80km/h an einer Seilwinde vom Turm „runterfallen“ lassen wurde.

Blick auf den Sky Tower

Wir machten also den SkyWalk. Katharina wollte nicht mitkommen und besuchte die beiden Besucherplattformen, während Alex und ich uns mit zwei weiteren Walkern in einen orangefarbenen Müllmänner-Partnerlook warfen, Sicherheitseinweisungen erhielten und schließlich mit dem Aufzug nach oben fuhren. Tür auf und raus. Sonne, blaue Wolken, warm, eine leichte Brise. Von der Plattform an der Tür gingen wir über ein Gitter auf eine Plattform auf dem Ring. Unter den Plattformen war eine Fläche, unter dem Gitter zwischen den Plattformen war nichts. Man konnte direkt runter auf die Straße unterm Turm gucken. Woah. Das ist schon ziemlich hoch… Da wurde mir schon beim absolut ungefährlichen Weg über das Gitter etwas mulmig und ich war froh, nach ca 0,7 Sekunden auf der anderen Plattform zu stehen. Wir wurden angeleint und mussten noch ein wenig warten, bis unser Spaziergang losging. Dabei konnten wir zusehen, wie neben uns ein junger Mann für seinen Sprung vorbereitet wurde. Ich sah nach unten. Oh man… So hoch? Der Mann war in Position gebracht und hing nun frei. 3 – 2 – 1 – los! Er fiel – und schrie dabei wie ein Mädchen. Um nach nur ca. 3m Fall einen Stopp zu machen, sein erschrockenes Gesicht wurde fotografiert, und der Fall ging weiter, die restlichen fast 189m bis zum Boden. Oh Gott… wenn er schon so schreit, was würde ich machen? Mir in die Hose machen, mir die Lunge aus dem Hals schreien und unten angekommen einen Puls von 180 haben. Wie bin ich nur auf die absolut bescheuerte Idee gekommen, ich könnte einen Bungee Jump machen? Ich hab schon Angst, wenn ich nur über ein Gitter gehe, aber dann will ich irgendwo runterhüpfen? Ich strich die Bungee Jumping-Idee schnellstens von der To-Do-Liste in meinem Kopf.

Spaziergang über der Stadt

In 192m Höhe – ohne Geländer

Dann ging unser Walk los. Im Gänsemarsch über das schmale Gitter, einmal rund um den Turm. Ein Guide war dabei, er filmte dabei mit einer GoPro-Kamera mit. Er erzählte uns ein paar Fakten über die Stadt und dann gab’s die erste Mutprobe: ins Seil setzen und über dem Abgrund hängen. Uuaah! Ins Seil setzen ging, aber dann den Hintern nach draußen? Krampfhaft hielt ich mich am Seil fest. Doch für ein „ganz cooles Erinnerungsfoto“ sollten die Hände nach außen gehalten werden. Langsam ließ ich die Umklammerung los und nahm die Arme hoch. Supercool! Warum hatte ich denn da jetzt so eine Angst vor? Nachdem von jedem ein Foto gemacht war, führten wir unsere Runde fort. Es gab noch einen Foto-Stopp für Grüppchen-Fotos (also… 2er-Grüppchen) und dann war der Rundgang auch schon fast wieder beendet. Ich hätte noch ewig oben bleiben können und außerhalb der Plattform am Seil rumbaumeln. Solange ich nicht runterhüpfen oder runterfallen musste, hat das sehr viel Spaß gemacht.

Als Müllmann über der Stadt 😉
Der Skywalk-Ring von oben

Als wir unsere Anzüge wieder losgeworden waren, durften wir auch auf die Besucherplattformen und trafen Katharina wieder. Die Besucherplattformen sind innen-liegend, eine hat ein Restaurant, das sich um den Turm dreht.
Die untere der beiden Plattformen hat dicke Glasklötze in den Fußboden eingelassen, sodass man fast wie in der Luft stehen kann. Ziemlich cool. Davon hatte ich in einer Dokumentation gehört und war gespannt, wie gruselig ich das fand, im Freien zu stehen. Das Ergebnis: überhaupt nicht, da die Fenster doch relativ klein sind. Nichts, wovor man Angst haben kann.

Fenster im Boden

Die Aussicht vom Turm war sehr schön: sehr viel grün zwischen größtenteils weißen Gebäuden. Ich fragte mich, warum so viele Leute sagen, Auckland sei hässlich. Vielleicht sind die einfach nur noch nie in Frankfurt gewesen.

Auckland von oben

Nachdem wir von beiden Plattformen zig Fotos in alle möglichen Richtungen gemacht hatten, fuhren wir mit dem Fahrstuhl wieder nach unten. Wir gingen zum Hotel, wo kurz darauf ein Herr von unserer Mietwagen-Firma kam, um uns abzuholen. Die Firma hieß Quality Cars, sehr zu empfehlen. Der Herr fuhr uns und unsere Koffer zur Autovermietung, wo wir unser Auto entgegen nahmen, einen Mitsubishi Legnum.

Ngaruawahia und andere Ortsnamen

Mit diversen Faltkarten bewaffnet (für die unterschiedlichen Teile der Insel jeweils eine) ging es nun los. Links-Verkehr. Oh je. Das ist bestimmt schwierig. Alex übernahm den ersten Teil der Fahrt. Erstmal rauf auf die Autobahn, den Highway No 1. In Form von … einer zweispurigen Straße. Also eine pro Richtung. Also eigentlich nur wie bei uns eine Landstraße. Manchmal gab es kurze Strecken zum Überholen.
Wir kamen nur durch wenige Ortschaften, dafür durch umso mehr Natur. Da es schon sehr lange sehr sonnig gewesen war, waren viele Wiesen allerdings eher gelb statt grün. Schön war es trotzdem. Mal kam man an einem an einem Hang gelegenen Friedhof vorbei (das war jetzt irgendwie komisches Deutsch, ist aber richtig so … oder?), mal an Seen und Flüssen, mal an lustig klingenden Geschäften (Mickey’s Lickies) oder an noch lustiger klingenden Ortsnamen (Taupiri, Te Awamutu oder Ngaruawahia).

Neuseeländisches Wasser
Ngaruawahia

Zwischendurch müssen wir mal an einer Tankstelle halten, um uns mit Eis zu versorgen, denn es war wirklich sehr heiß. Hier gibt es lauter Eissorten, die es in Deutschland nicht gibt. Ich beginne erstmal weniger exotisch mit einem Pfefferminz-Magnum.

Unser Auto
Links fahren
Aussicht aus dem Autofenster

Nach unserem Stopp bin ich an der Reihe mit Fahren. Ich war bisher noch nie im Links-Verkehr gefahren. Aber so schwer war es dann doch nicht. Umgewöhnung von ca. 2 Sekunden. Die einzige Schwierigkeit: der Blinker ist auf der anderen Seite. Nämlich auf der Seite des Scheibenwischers. Und der Scheibenwischer ist da, wo bei uns der Blinker ist. Naja, zwischendurch kurz mal gescheibenwischt statt geblinkt und weiter geht’s 😉

Falsche Buchung für die erste Nacht

Irgendwann kommen wir in Waitomo an. Mit Hilfe unserer Karte hatten wir den Weg leicht gefunden und innerhalb des winzigen Örtchens halfen uns die Einwohner, zu unserer Unterkunft zu kommen.

Ankunft in Waitomo

Die Unterkunft ist super: der ganze Vorgarten ist bewachsen, überall hängen lila Blüten, auf der Veranda steht frisches Gebäck und es riecht nach Bacon. Die Besitzerin begrüßt uns herzlich  – und findet dann unsere Buchung nicht. Und findet sie schließlich für die kommende Nacht. Oh je. Sie telefoniert zunächst kurz mit der Travel Agency, die sich sofort bei uns entschuldigt, dass ihr da ein Fehler unterlaufen sei. Dann telefonierte sie ein paar Unterkünfte im Ort ab, fand eine, sprach diese „Umbuchung“ wiederum mit der Travel Agency ab und erklärte uns den Weg zum Big Bird Bed & Breakfast.

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