Aufstieg auf den Schicksalsberg – Mt. Ngauruhoe [Neuseeland 1.21]

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6 Uhr früh – AUFSTEHEN!!!

Viel zu früh klingelte der Wecker. Doch da um 7 Uhr der Bus am Hotel losfuhr, der uns zum Ausgangspunkt der Tongariro-Wanderung bringen sollte, musste das heute mal sein. Belohnt wurden wir immerhin mit einem netten, vernebelten Sonnenaufgang.

Nebliger Sonnenaufgang

Auf zum Schicksalsberg

Plan für heute: in die Fußstapfen von Frodo und Sam treten und auf den Schicksalsberg steigen. Bzw. auf den Mt. Ngauruhoe, wie er außerhalb Peter Jacksons Filmtrilogie heißt. Die „normale“ Wanderung, die man im Tongariro macht, geht einmal durchs Vulkanmassiv hindurch. Vorne wird man abgesetzt, hinten abgeholt. Oder aber man spricht sich ab, wer welches Auto wo abstellt. Zu beachten: seit Kurzem darf man vorne nur noch 4 Stunden parken.
Da aber drei Monate zuvor der Vulkan des Te Mari-Kraters ausgebrochen war, war bei uns der Durchgang gesperrt und man konnte lediglich ins Gebirge rein und wieder zurück gehen. Was unserem Plan aber eigentlich entgegenkam, da uns dann beim Durchqueren keine Zeit durchs Berg-Steigen verloren ging. Der Mt. Ngauruhoe hat immerhin den höchsten Gipfel des Tongariro: 2291 Meter ist er hoch. Das würde wohl ein Weilchen dauern, dort oben anzukommen.

Sicherheit geht vor

Im Bus zum Wanderungsausgangspunkt wurde eine Liste rumgereicht. Dort mussten sich alle eintragen: Name, Adresse, Telefonnummer. Und zum Ankreuzen die Frage, ob man auf den Tracks bleiben würde oder nicht. In der Touristen-Info hatten wir den Hinweis bekommen, dass man auf den Mt. Ngauruhoe steigen kann, dass es aber keine befestigten Wege gibt. Aber gibt es Wege? Wir waren uns unsicher, kreuzten dann aber ‚Nein‘ an, da auch „unbefestigte Wege“ sicher nicht zu den Tracks gehören würden. Weshalb man all diese Angaben machen muss, ist ein Sicherheitsgrund. Gerade in Gebirgen und auf schwierigem Terrain gehen manchmal Wanderer verloren. So weiß man, wer im Gebirge ist und ob man bei Vermissen auch außerhalb der Wege suchen muss.

Später stellten wir übrigens fest, dass wir a) richtig angekreuzt hatten, dass wir abseits der Tracks wandern würden und b) dass die Tracks aber auch keinstenfalls nur befestigte Wege waren.

Aber zunächst kamen wir ja erstmal am Parkplatz an. Dort gibt es Toiletten und eine Art Bushaltestelle, an der man sich unterstellen kann. Parkplätze für Selbstfahrer eher wenige, daher hatten wir den Bus genommen. Auf der Wander-Strecke gibt es noch eine weitere Toilette. Doch erwartet keine gepflegte Sanifair-Anlagen 😉 eher Dixi-Klo-Style – eigenes Klopapier mitnehmen schadet nicht. Aber dann bitte auch nur auf den Toiletten verwenden. Die deutschen Touristen haben ohnehin schon einen sehr schlechten Ruf, da ihre Hinterlassenschaften fast überall in der Natur zu finden sind. Helft mit, das wieder rückgängig zu machen und benehmt euch 🙂 Das bedeutet auch:

Werft euren Müll nicht überall hin, auch nicht wenn es sich um Bananenschalen o.ä. handelt. Nehmt euren Müll wieder mit und entsorgt ihn später. Die Natur, die Neuseeländer und die nachfolgenden Wanderer danken es euch. 

Wanderung in den Sonnenaufgang

Sonnenaufgang 🙂

Wir machten uns schließlich auf den Weg. Die Sonne lugte langsam hinter den Bergen hervor und wir wanderten in den Sonnenaufgang hinein. Traumhaft! Die Wege waren meist Schotterwege, manchmal leicht erhöhte Wege aus Holzplanken. Manchmal ging der Weg aber auch einfach über kleine Felsen oder ausgetretene Pfade durch Steine. Auch Bächlein kreuzten den Weg, sodass man wählen musste: mehr klettern oder mehr nasse Füße.

Nochmal Sonnenaufgang

Herr der Ringe lauert hinter jeder Ecke

Sonnenstrahlen brachen zwischen Bergen und Wolken hindurch und leuchteten in die Bergkette. Sofort springt mir ein Zitat in den Kopf, das Gandalf im zweiten Herr der Ringe-Film zu Aragorn sagt, um ihm Hoffnung zu machen:

„Erwartet mein Kommen, beim ersten Licht des fünften Tages. Bei Sonnenaufgang, schaut nach Osten.“

Am besagten fünften Tag strahlt ein Sonnenstrahl des Sonnenaufgangs über den Berg gegenüber der belagerten Burg von Helms Klamm. Aragorn erinnert sich an den Satz, Gandalf kommt mit Éomer und seinem Gefolge den Berg runtergeritten und alle sind gerettet 😉

Schaut nach Osten! Oder wohin auch immer.

Hab mal kurz Youtube durchforstet, hier hat jemand den Teil des Films hochgeladen, den ich meine (ok, eigentlich scheint der Sonnenstrahl von der anderen Seite, aber egal):

Anfangs führte der Weg durch grüne Landschaft, doch je weiter wir gingen, umso weniger Pflanzen gab es.

Grün, grün, grün

Welcome to Mordor

Schroffe Felsen säumten den Weg, es wurde immer grauer. Bald hatten die Felsen deutliche Vulkan-Spuren. Kantig, krustig, die Beschaffenheit einer scharfkantigen Schnitzelpanade. Je weiter wir kamen, desto sicherer waren wir: jetzt sind wir in Mordor angekommen. Die Horde Orks vor uns entpuppte sich jedoch als kleine Wandergruppe, die wir überholten.

Morrrdorrr

Rauf, rauf, rauf, rauf, immer schön den Berg rauf

Langsam aber stetig kamen wir immer höher. Wenn man zurück sah, hatte man eine wahnsinnige Aussicht. Die Wege, die man gerade gegangen war, zogen sich als feine Linien durch die Landschaft.

Wahnsinnige Aussicht

Schließlich konnten wir – wieder nach vorn blickend – schon fast den Fuß des Mt. Ngauruhoe, des Schicksalsberges, sehen. Aus der Ferne erkannten wir Wege, die dort hochführten und freuten uns, dass wir nicht komplett abseits von allen Wegen unterwegs sein würden.

Alle Wege führen nach oben

Ohne Weg, aber mit Ziel

Wir bogen ab vom Weg, der geradeaus zum Mt. Tongariro und zu den Emerald Lakes führte, gingen in Richtung unseres Berges. Wir folgten dem Weg, der aber, je näher wir dem Berg kamen, immer unwegiger wurde und schließlich gar nicht mehr vorhanden war. Wir waren am Fuße des Berges angekommen. Nun hieß es: bergauf. Ohne Weg. Die Wege, die wir von weitem gesehen hatten, waren keine Wege, sondern die Spuren von Schotter, Sand und Steinen, die da mal heruntergerutscht waren.

Der „Weg“ von Nahem

Nun klettert man auf diesen Vulkan leider nicht so, wie man in Bayern oder Österreich auf einen Berg klettert. Hier gibt es nicht nur keine Wege, sondern auch keine Boden-festigenden Pflanzen, so gut wie keine Felsen. Eigentlich war es fast so, als würde man eine Sanddüne hochlaufen: Wenn man einen Schritt nach oben machte, rutschte man dreiviertel des Schrittes wieder nach unten. Nach ein wenig Eingewöhnung hatten wir eine Technik entwickelt, bei der wir nur noch einen halben Schritt runterrutschten, sodass wir zumindest ein bisschen schneller waren. Doch immer noch rutschte bei jedem Schritt der Untergrund ab. Ein paar hundert Meter rechts von uns sahen wir ein paar andere Leute, die irgendwie schneller waren. Dort war der Boden scheinbar fester. Wir gingen auch dort hin. Kamen über ein paar größere, flache Felsen, auf denen man endlich mal wieder richtigen Halt fand. An der Strecke der anderen Leute angekommen, stellten wir fest, dass diese etwa genauso unbefestigt war wie unsere alte Strecke. Die anderen hatten nur eine bessere Technik oder mehr Erfahrung. Oder es sah nur aus unserer Perspektive schneller aus.

Es wird langsam steiler

Aussicht mit Zitronenkuchen

Wir kamen immer höher, der Aufstieg wurde immer steiler. Wir waren oberhalb der Wolken, doch sobald die sich verzogen hatten, war die Aussicht atemberaubend. Man konnte sehr weit gucken, die Wanderwege waren kaum mehr zu erkennen. Wir saßen in den Steinen, genossen die Aussicht und machten ein Päuschen mit unserem spärlich vorhandenen Proviant. Zitronenkuchen und Wurstscheiben, tolle Mischung. Hier geht’s übrigens zum Beitrag, warum wir nichts anderes dabei hatten.

Tolle Aussicht beim Essen

Dann ging’s weiter. Mittlerweile war es so steil geworden, dass wir teilweise auf allen vieren den Berg hochkraxelten. Hier und da löste sich ein größerer Stein und kullerte den Berg hinab. Das erste Mal passierte dies zwei Wanderern vor uns. „Rock!“ riefen sie uns zu, „Rock coming!“, damit wir einen Schritt zur Seite gehen können, um nicht vom Stein getroffen zu werden. Wir lernten schnell und warnten die Leute, die hinter bzw. unter uns waren, wenn wir einen Stein losgetreten hatten.

Auf allen vieren den Berg hoch – hier sind wir schon über den Wolken
Ganz schön steil

Klingt jetzt nach vielen Leuten auf dem Berg, aber nein. Es waren nicht viele da. Die meiste Zeit waren wir allein, ein-zwei Mal wurden wir von zwei-drei Leuten überholt. Die Leute hinter uns waren sehr weit weg, die vor uns auch.

Die langsamsten Wanderer am Berg: wir

Die hinter uns waren dann aber eher die, die uns überholten. Irgendwie waren wir schon ziemlich langsam. Zwei, die uns überholten, berichteten, dass sie gerade bei den Emerald Lakes gewesen waren und nun zum Gipfel des Mt. Ngauruhoe wollten. Ja. Wir waren wohl seeeehr langsam. Oder die sehr schnell. Wenig später sahen wir den Blue Lake, der gleich neben den Emerald Lakes liegt. In weiter Ferne leuchtete er im schönsten blau aus dem Grau heraus.

Blue Lake

Ich frage mich immer noch, wie man so schnell sein kann. In der Zeit, in der wir es bis ¾ des Gipfels geschafft haben, waren die zig Kilometer weiter auf nem anderen Berg, wieder zurück und unseren Gipfel rauf. Sind die gerannt oder was?

Red Rocks

Oben!

Irgendwann waren wir dann aber auch endlich oben angekommen und blickten in den Krater. Ziemlich tief, aber nicht so tief, wie ich mir das vorgestellt hatte. Und auch irgendwie weniger spektakulär. Aber was sollte da auch drin sein? Wohl kaum ein hunderte Meter tiefes Loch mit feurig blubbernder Lava. Stattdessen gabs Geröll und Gestein und irgendwas weißes, was möglicherweise Asche sein könnte. Besonders tief war der Krater auch nicht, jedoch um einiges tiefer, als es auf dem Foto aussieht.

Vulkan-Krater

Alles in allem war es trotzdem sehr spannend dort oben. Allein die Formationen der Steine und die rot-grauen Farbspiele in der Kraterwand waren höchst sehenswert. Oben auf dem Vulkan war dann auch sogar ein wenig mehr los als auf unserer Kletterstrecke. Fast 10 andere Leute hatten über andere Strecken den Aufstieg gewagt und liefen am Kraterrand herum. Eine australische Frau hatte ihre Kamera vergessen und fragte Alex, ob er ein-zwei Fotos von ihr am Krater machen kann und ihr später zumailen könne. Das konnte er. Wie ärgerlich, stundenlang zu wandern/klettern und keine Fotos machen zu können, wenn man sich das eigentlich wünscht. Nicht nur vom Ziel, dem Gipfel, sondern vor allem von all den schönen Aussichten, die man hier hatte.

Wirf ihn ins Feuer! Worauf wartest du denn noch?

Ein Foto musste aber dann noch sein. Die ganze Zeit trug ich in meinem Geldbeutel etwas durch Neuseeland, das nun rausgeholt wurde: der eine Ring. Saurons Ring. Ein Ring sie zu knechten. Und geknechtet hatten wir uns ja nun wirklich bei dem anstrengenden Aufstieg.  Mit dem Ring machte ich dann noch ein „ich werfe den Ring in den Schicksalsberg“-Foto – als großer Herr der Ringe-Fan muss das doch irgendwie sein. Ich frage mich allerdings, ob und wieviele Leute wirklich irgendwelche HDR-Merchandise-Ringe in den Krater werfen, einfach nur aus Gag. Ich hab meinen nämlich nicht reingeworfen, sondern ihn wieder mitgenommen. Natürlich. Das ist ja auch „mein Schatzzzz!“ 😉

Wirf ihn ins Feuer!! – Welches Feuer denn?

Runter geht immer schneller als rauf

Wir blieben gut eine dreiviertel Stunde, bevor wir uns wieder an den Abstieg machten. Der Sand, der uns vorher noch den Aufstieg schwer gemacht hatte, erleichterte den Abstieg nun ungemein: einen Schritt gehen, 3 Schritt weit runterrutschen. Es dauerte kurz, bis wir den Dreh raushatten (Balance halten, während man auf einem Bein im Sand versinkend den Berg runterrutschte), dann klappte es wunderbar und wir eilten gemütlich den Berg hinunter. Ich war froh, dass ich neben Wanderschuhen auch eine lange Hose anhatte, denn mehr als einmal versank der Hosensaum in Sand und Schotter. Doch Alex, der mit Turnschuhen und kurzer Hose unterwegs war, hatte auch keine Probleme mit Sand in den Schuhen. Er hatte wohl eine andere Lauf-Technik als ich.

Katharina brauchte ein wenig länger, um sich mit dem Bergab-Laufen anzufreunden. Drum machten Alex und ich nochmal eine Pause, um auf sie zu warten. Ich saß in den Steinen, Alex stand, wir starrten in die Weite und bewunderten erneut die wahnsinnige Aussicht.

Bergpanorama

Die fehlende Stein-Warnung

Dabei bemerkten wir nicht, dass sich bei Katharina mal wieder ein großer Stein gelöst hatte und sie vergaß, uns eine Warnung herunterzurufen. So rollte der Stein auf einmal haarscharf an mir vorbei und traf Alex am Bein. Aua. Die Wunde war nicht tief, aber schon recht großflächig an der äußeren Wade. Na super. Doch alles halb so wild, sah schlimm aus, aber war es wohl nicht. Also weiter den Rest des Berges runter. Unten hatte es übrigens wieder den Mordor-Touch. Entweder wo Frodo und Sam vorm Auge flüchten oder wo sie auf die Ork-Horden treffen.

Schnell raus aus Mordor
Ein langer Weg bis zur Bushaltestelle

Wir schauten auf die Uhr. Dass wir außer den Berg nichts weiteres schaffen würden, haben wir uns vorher schon gedacht. Für den Weg vom Parkplatz auf die Spitze des Mt. Ngauruhoe hatten wir von ca 7:30 bis 12:15 Uhr gebraucht. 4 Stunden 45 Minuten. Allein der Weg vom Fuß zur Spitze des Vulkans hatte uns etwa 2 Stunden gekostet. Der Weg nach unten nur noch anderthalb. Also keine weitere Wanderung zu den Emerald Lakes für uns. Das sollen dann lieber die geübten Wanderer machen, als Laien waren wir da wohl zu langsam. Macht nix.

Wanderblick

Keine Adler für den Rückweg

Wir machen uns also auf den Rückweg. Um 16 Uhr dachten wir, dass wenn wir uns ein klein wenig beeilten, wir den Bus um 17 Uhr schaffen könnten. Die Busse fuhren um 16, 17 und 18 Uhr. Wer danach noch unterwegs ist und auf der Busliste stand, wird angerufen und muss seine Sonderfahrt teuer bezahlen. Wer nicht erreichbar ist, wird gesucht, möglicherweise mit Hubschrauber. Dann wird’s noch teurer, wenn man dann einfach nur getrödelt hat. Aber wir hatten ja noch genügend Zeit. Trotzdem gingen wir einen Schritt schneller, um dann nicht kurz nach Busabfahrt anzukommen und fast eine Stunde am Parkplatz herumzuhängen. So liefen wir also zurück, die Landschaft wandelte sich zurück von Lavagestein zu hellgrünem Gestrüpp mit kleinen Blümchen.

Clouds in the sky

Der Parkplatz kam immer näher, doch auch die Uhrzeit war immer später. Wir joggten ein paar kurze Abschnitte des Weges, um dann um kurz vor fünf pünktlich anzukommen. Nur was wir vergessen hatten: wir sind hier nicht in Deutschland. Der Bus fährt nicht um eine Sekunde nach fünf ab. Er wartet noch ein Weilchen, um die knapp Ankommenden auch noch mitzunehmen. Genauer gesagt war der Bus auch noch überhaupt nicht da.

Als er da war, ging’s zurück zum Hotel. Wir hatten für die kommende Nacht ja kein Zimmer mehr im Whakapapa Village, da wir noch weiter nach Whanganui fahren wollten. Doch wir waren verschwitzt und total verstaubt. Klamotten, Haare, alles. Katharina stand auf dem Parkplatz und klopfte sich ausgiebig ab und schüttelte ihre Haare aus, während Alex und ich noch schnell die Gemeinschaftsduschen des Hotels nutzten. Dann fuhren wir zum wohlverdienten Abendessen (bestes Steak der Welt) und machten uns anschließend auf den Weg nach Whanganui.

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